
Der für seine markigen Sprüche bekannte Chef der föderalistischen Lega Nord, Umberto Bossi, hat wieder zugeschlagen: Mit einer eindeutigen Geste machte er bei einer Parteiveranstaltung am Sonntag im norditalienischen Padua mehr als deutlich, was er von der italienischen Hymne hält.
In dieser stehe, dass Italien Sklave von Rom ist, wetterte Reformminister Bossi mit ausgestrecktem Mittelfinger gegen den aus seiner Sicht “faschistischen” Zentralstaat.
“Reformen oder Krieg”
Wie bereits im Wahlkampf vor einem Jahr rief Bossi zudem zum Kampf gegen die “Schurken in Rom” auf. “Entweder bekommen wir die Reformen, oder es gibt Krieg.”
15 Millionen seien bereit, für ihre Freiheit zu kämpfen, so der Lega-Chef, der im August eine Schelte von Präsident Giorgio Napolitano kassierte, als er zu den Gewehren rief.
Entschuldigung “notwendig”
Die jüngste Entgleisung Bossis sorgt nun auch innerhalb der Regierungskoalition für heftige Empörung. Verteidigungsminister Ingnazio La Russa von der postfaschistischen Alleanza Nazionale forderte eine umgehende Entschuldigung.
Wenn Bossi meine, dass er das “Gefühl nationaler Einheit” beleidigen kann, dann wünsche er nicht, mit ihm oder einem anderen Lega-Minister an einem Tisch zu sitzen.
Sticheleien gegen Berlusconi
Kritik kam auch vom Koordinator von Berlusconis Forza Italia, Fabrizio Cicchitto, der laut “Repubblica” allerdings keinen Anlass zum Handeln ortet.
Dabei dürfte Bossi, der bereits das Scheitern einer Berlusconi-Regierung zu verantworten hat, in Padua auch mit Sticheleien gegen Berlusconi und versöhnlichen Tönen in Richtung Opposition für alles andere als ein ausgeglichenes Koalitionsklima gesorgt haben.
Unter anderem stellte Bossi die am Vortag verkündete Einigung in der anstehenden Justizreform infrage. Berlusconi habe offenbar anderes zu tun, als mit ihm darüber zu sprechen, bemängelte Bossi laut “Corriere della Sera” etwa, dass er noch immer auf einen Anruf des Premiers warte.
Opposition spricht von Skandal
Weit schärfere Kritik an Bossi kam indes erwartungsgemäß von der Opposition. Dario Franceschini, Vizechef des Partito Democratico (PD), sprach von einem Skandal.
Massimo Donadi von der Oppositionspartei Italia dei Valori erinnerte Bossi zudem daran, dass er seinen Ministereid auf die italienische Verfassung geleistet habe.
Wegen Beleidigung der Hymne müsse sich Bossi nun beim gesamten italienischen Volk entschuldigen, so Donadi.
Mehr unter:
http://news.orf.at
http://www.freiepresse.de
http://www.espace.ch