
BOZEN/BRUNECK – Der Südtiroler Schützenbund lässt nicht locker. Genau drei Monate nach dem Protestmarsch in Bozen „Gegen Faschismus – Für Tirol“ stellen die Schützen ihre neue Initiative gegen faschistische Relikte vor. Nachdem die Bilanz der damals von politischer Seite angekündigten Initiativen und Gesprächen mehr als dürftig ist, will man nun am Samstag, dem 25. April 2009, der in Italien als „Tag der Befreiung vom Faschismus“ gefeiert wird, wieder auf die Straße gehen. Diesmal in Bruneck, wo seit über 70 Jahren ein Denkmal für die Truppen des faschistischen Regimes steht, das in den 1930-Jahren in Afrika an Feldzügen mit schrecklichen Kriegsverbrechen beteiligt war.
Waren es in Bozen vor allem Schützen und Zivilisten, die sich in Ansprachen zum Thema zu Wort gemeldet haben, wird in Bruneck auch ein hoher Gast aus dem betroffenen Land seine Stimme gegen die Verherrlichung von Kriegsverbrechen erheben. Prinz Asfa-Wossen Asserate, Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie wird sowohl in einer Gedenkansprache als auch in der anschließenden Podiumsdiskussion die Lage aus der Sicht der direkt Betroffenen beleuchten und unmissverständlich zu den faschistischen Relikten in Südtirol Stellung nehmen. „Vielleicht können wir damit in der aktuellen, sehr zögerlich geführten Diskussion, dem Gedächtnis so mancher Parteien ein wenig auf die Sprünge helfen“, meint Elmar Thaler, Geschäftsführer des Südtiroler Schützenbundes. Italiens Erinnerungskultur wirke nämlich sonderbar gespalten. Der Resistenza-Mythos lebt alljährlich am 25. April wieder auf – und verstellt zugleich den Blick auf die dunklen Seiten der italienischen Vergangenheit. Er lässt vergessen, dass Italien auch eine Täternation ist. Vor allem seine Kolonialgeschichte kennt monströse Verbrechen, die bis heute heftig verdrängt werden – vor allem auch wenn es um faschistische Relikte in Südtirol geht. In Bruneck wird sich der Protest der Schützen vor allem gegen den „Kapuzinerwastl“, ein in Stein gehauener Alpinisoldat richten. Errichtet vom faschistischen Regime mit erpressten Spendengeldern der umliegenden Gemeinden, erinnert er an die „Divisione Pusteria“. Diese Einheit war 1935 eigens für den Abessinienkrieg aufgestellt worden und am Feldzug Italiens in Afrika mit schrecklichen Giftgasangriffen und Kriegsverbrechen beteiligt. Zwischen 1935 und 1941 fielen zwischen 350.000 und 760.000 Äthiopier diesem Angriffskrieg zum Opfer. Keinem Italiener wurde deswegen je der Prozess gemacht. Und während man heute in Deutschland die Verbrechen der Waffen-SS aufgearbeitet und verurteilt hat, während in Frankreich und Belgien die eigene blutige Kolonialgeschichte weiter aufgearbeitet wird, ist die Schreckensherrschaft Roms in Äthiopien für die Italiener nie ein Thema gewesen. Nur so ist es zu erklären, dass am Kapuzinerplatz in Bruneck immer noch ein solches Monument steht und kaum ein Passant, noch Politiker wissen, welchen Untaten das Monument diesen Standort verdankt. Es ist eine Veranstaltung der Pusterer Schützen, zu dem natürlich aber auch Teilnehmer aus dem ganzen Land erwartet werden. Vor allem ist es auch wichtig und ausdrücklich erwünscht, dass Privatpersonen nach Bruneck kommen, um ihren Protest gegen die Politik des Aussitzens von Problemen zum Ausdruck zu bringen. Wenn Italien eben 60 Jahre lang nicht gewillt war, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, dann soll das für uns ein Grund mehr sein, um uns von diesem Staat zu verabschieden und unsere Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. „Gegen Faschismus – Für Tirol“ – auch aktiv Zeichen setzen! Ein Zeichen der Solidarität mit jenem Volk, das Opfer der italienischen Giftgasangriffe wurde, will der Südtiroler Schützenbund im Rahmen seiner Kundgebung Gegen Faschismus – Für Tirol am 25. April in Bruneck setzen. So werden während der Kundgebung und bei der anschließenden Podiumsdiskussion Spenden für die GERMAN CHURCH SCHOOL in Addis Abeba gesammelt. Diese Aktion ist auf Anregung von Univ.-Doz. Dr. Mag. Gerald Steinacher und nach Beratung mit dem österreichischen Botschafter in Äthiopien Rudolph Agstner zu Stande gekommen. „So können wir im direkt betroffenen Gebiet ganz konkret und ohne viel Aufwand chancenlosen äthiopischen Kindern helfen, während sich unsere Politiker nicht entschließen können, Kriegsverherrlichende Relikte aus jener unseligen Zeit einfach ins Museum zu stellen“, sagt Landeskommandant Paul Bacher.
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9. Februar 2009 um 9:24 |
Auf „Fascibook“ planen bereits einige Neofaschisten eine Fahrgemeinschaft. Freue mich jetzt schon auf die 2. Blamage der „Anti-Südtiroler“
10. Februar 2009 um 10:28 |
I bin wiedo dobei =)
11. Februar 2009 um 1:46 |
Genial dass di Schützen Asserate als Referenten gewinnen konnten – der Mann ist einer der interessantesten Intellektuellen Deutschlands.
13. Februar 2009 um 9:56 |
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