In der Neuauflage seines Buches zum „Pariser Abkommen“ von 1946 bleibt Steininger unbeirrt bei seinen alten Irrtümern (Rolf Steininger (Hrsg): „Akten zur Südtirolpolitik 1959 – 1969“, Bd. 1960, Innsbruck-Wien-Bozen 2006)
Im Jahre des Herrn 1983 widerfuhr Tirol eine besondere Gnade. Dem Land im Gebirge wurde der aus Plettenberg in Westfalen stammende Dr. Rolf Steininger als Professor und Ordinarius am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck zuteil.
Ab nun erfuhren die Tiroler, daß sie ihre eigene Landesgeschichte bislang nicht so richtig verstanden hätten. Rolf Steininger nahm, mit – aus seiner Sicht – professoraler Unfehlbarkeit ausgestattet, die Dinge in die Hand und zeigte den Tirolern, wo es durch die Historie lang ging.
Als Erstes führte er den „Nachweis“, daß der Verursacher der politischen Südtirolmisere der Fünfziger- und Sechzigerjahre, Außenminister Dr. Karl Gruber, in Wahrheit ein politischer Held gewesen sei.
Manchen politischen Kreisen in Wien war dies nicht unlieb und Steiningers Schönschreibung eines österreichischen außenpolitischen Desasters war seiner Karriere durchaus nicht abträglich.
Rolf Steiningers „Magna Charta“
Im Jahre 1987 veröffentlichte Univ. Prof. Dr. Rolf Steininger sein Buch „Los von Rom? Die Südtirolfrage 1945/46 und das Gruber – De Gasperi-Abkommen“.
Darin rühmte er den damaligen österreichischen Außenminister Karl Gruber – in Österreich längst eine umstrittene Figur – über alles und das mangelhafte, lediglich 2 Seiten umfassende und doppeldeutig formulierte Pariser Abkommen vom 5. September 1946 geriet ihm gar zur „Magna Charta“ für Südtirol.
1991 pries Steininger aus besonderem Anlaß das Abkommen wiederum in einer Festschrift als „Magna Charta“. Die Festschrift war Karl Gruber zu seinem 80. Geburtstag gewidmet und von der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft, zwei Bundesministerien und der Tiroler Landesregierung subventioniert. In dieser politisch wohlgefälligen Schrift pries der um Eigenwerbung nicht verlegene Autor Steininger sein eigenes Werk „Los von Rom?“ als eine Arbeit, die „national wie international Aufsehen“ erregt hätte und „weithin als Standardwerk gepriesen“ worden sei. (Rolf Steininger: „Karl Gruber und die Südtirolfrage 1945/46“, in: Lothar Höbelt – Othmar Huber: „Für Österreichs Freiheit. Karl Gruber – Landeshauptmann und Außenminister 1945 – 1953“, Innsbruck 1991, S. 71 f)
Steininger sieht die Dinge „nicht nur aus der engen Tiroler Sicht“ und bestätigt sich selbst „glänzend“
Im Jahr 2006 wiederholte Steininger seine These, indem er in seinem Vorwort zu einer Aktenedition das zweiseitige „Pariser Abkommen“ wiederum zur „Magna Charta“ der österreichischen Südtirolpolitik hochstilisierte. (Rolf Steininger (Hrsg): „Akten zur Südtirolpolitik 1959 – 1969“, Bd. 1960, Innsbruck-Wien-Bozen 2006, S. 11)
Nun erscheint das Werk „Los von Rom“ in einer Neuauflage unter dem Titel „Autonomie oder Selbstbestimmung? Die Südtirolfrage 1945/46 und das Gruber – De Gasperi-Abkommen“, in deren Vorwort schreibt Steininger:
„Man muss m. E. das Thema aus der internationalen Perspektive sehen und nicht nur aus der engen Tiroler Sicht … Ich habe das Gruber – De Gasperi-Abkommen 1987 als „Magna Charta“ Südtirols bezeichnet, wie im Folgenden wieder nachgelesen werden kann. Diese These wird nunmehr glänzend bestätigt“.
„Glänzend“ bestätigt sich hier Steininger lediglich selbst, eine wissenschaftliche Fehleinschätzung nicht zugeben zu können.
Schlagworte: Dr. Karl Gruber, Fehleinschätzung, Land im Gebirge, Magna Charta, Pariser Abkommen, Politik, Rolf Steininger, Südtirolpolitik

26. Juli 2008 um 5:09 |
Hm… ja, über den Steininger hab ich auch schon so einiges gehört. Spannendes Thema! Würde mich echt mal interessieren, was der noch so falsch bzw. seltsam dargestellt hat!
26. Juli 2008 um 5:11 |
Ich schick dir via E-Mail mal die ganzen Unterlagen…. da wirst du staunen.
26. Juli 2008 um 5:23 |
handelt es sich um belegbar falsche Inhalte, oder gefallen eventuell die Darstellungen Steinigers blos nicht.
Das ist zwar brutal direkt gefragt, aber eine politisch seriöse Kraft sollte darauf mit besonnenheit antworten können ohne umzulenken.
26. Juli 2008 um 5:57 |
Steiniger ist sicher ein begabter Historiker, keine Frage. Er ist aber auch nur ein Mensch und Menschen machen Fehler. Das Problem mit dem Steiniger ist, dass er über seine Fehler nicht mal diskutieren will.
Der Historiker Rolf Steininger fragte 1985 in seinem Beitrag „Eine Chance zur Wiedervereinigung?“, die sich vorwiegend auf westliche Quellen stützte, ob damals eine wichtige Chance verpasst wurde. Steininger und andere verneinten die Fragen, ob es zwangsläufig zu einem geteilten Deutschland hatte kommen müssen und ob der Kurs Adenauers der bestmögliche Weg war. Seine Argumentation beruhten nur auf Annahmen.
Nach Öffnung der Archive der ehemaligen Sowjetunion scheint der historische Streit dahingehend entschieden zu sein, dass die Stalin-Noten tatsächlich nur ein Störmanöver waren und Steiningers Beitrag ein Irrtum war.
Was machte der Steininger danach… er schaltete auf Sturr und was die ganzen anderen Historiker berichteten glaubte er einfach nicht…
26. Juli 2008 um 5:58 |
ah … fast vergessen….. mann kann alles belegen…. das ist ja das Tollste
27. Juli 2008 um 7:25 |
Man mag Steinigers Werk mögen, oder auch nicht mögen.Fakt ist, daß kaum ein anderer Historiker im deutschen Sprachraum sich so intensiv mit der jüngsten Geschichte Südtirols beschäftigt hat.
Besonders interessant finde ich seine Fokussierung auf die diplomatischen Verhandlungen zw. Österreich und Italien.
Ich denke, in manchen Kreisen wird er nicht sonderlich gemocht, da e dem sog. Freiheitskampf der 50er und 60er Jahre eine unbedeutende Rolle beimeßt bzw. die Meinung vertritt, die Anschläge hätten den Autonomieprozeß nicht beschleunigt, sondern verlangsamt und behindert.
27. Juli 2008 um 7:52 |
@Matteo
..ich sende dir auch die Unterlagen…..
27. Juli 2008 um 11:11 |
Hätte es die “Rütliwiese” der Südtiroler auf der Burg Sigmundskron von 1957 und die Akte des Widerstandes der 60er Jahre nicht gegeben, würde man womöglich heute noch zwischen Österreich und Italien in der Frage der Interpretation des Pariser Vertrages von 1946 und in der Frage der Einführung der echten Autonomie für Südtirol immer noch bis zum St. Nimmerleinstag verhandeln. Die Masseneinwanderung würde weiter gehen und heute wäre wohl Südtirol dort, wo Elsaß in Frankreich sich schon längst befindet. Italien war nur dann bereit den Südtirolern echte Zugeständnisse in der Verwaltung des eigenen Landes zu machen, wenn so gut wie kein Weg daran vorbeigeführt hat. Das ist auch so bis heute geblieben. In der Frage der Selbstbestimmung wird Rom aus langer Gewohnheit die Südtiroler immer und immer wieder auf Biegen und Brechen trixen und täuschen wollen, bis zum Umfallen. Darüber gibt es ein Konsens so gut wie in allen Parteien. Aus diesem Grund ist die Unterstützung aus dem Vaterland Österreich so wichtig, da nur Wien mit Rom in gleicher Augenhöhe über die Frage der Selbstbestimmung in Südtirol verhandeln konnte und dies weiterhin national und international tun kann.
28. Juli 2008 um 10:58 |
Krieg ich die Unerlagen auch… BITTE!
28. Juli 2008 um 12:18 |
Bin bis Mittwoch in Österreich (Vaterland)… danch stell ich das kompl. Doc ins Netz ( hab schon mehrere Anfragen bekommen)…….
29. Juli 2008 um 7:10 |
@Dödl
Oben kannst du es jetzt “extreem downloading……
30. Juli 2008 um 6:28 |
@Mazinga Z: DANKE!