Das französische Überseegebiet Neukaledonien hat heute ca. 200.000 Einwohner, davon sind etwa 90.000 indigene Melanesier, die sich selbst als Kanaken bezeichnen (Kanaka = Mensch). Während es Ende der 50er Jahre eine kurze liberale Phase mit einer gewissen inneren Autonomie durchlebte, wurde Anfang der 60er Jahre wieder eine autoritäre und repressive Kolonialherrschaft eingeführt. Französische Siedler wurden gezielt angesiedelt, so dass die Kanaken im Laufe der 60er und 70er Jahre zur Minderheit im eigenen Land wurden. Grund für dieses neokoloniale Vorgehen waren die für Frankreich strategisch wichtigen Nickelvorkommen (Neukaledonien ist weltweit der drittgrößte Produzent dieses Metalls).
In den 70er und 80er Jahren kam es zu einer wachsenden Polarisierung zwischen der Kolonialverwaltung und den Siedlern einerseits und den Kanaken andererseits, die die Unabhängigkeit forderten. Frankreich versuchte dies durch endlose Verhandlungsrunden hinauszuzögern, bis der Konflikt 1984 eskalierte: Die Kanaken gründeten die Kanakische Sozialistische Nationale Befreiungsfront (FLNKS) und riefen eine provisorische Regierung der “Republik Kanaky” aus. Infolgedessen kam es im Laufe der 80er Jahre zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen mit Dutzenden von Toten.
Nachdem mehrere Verhandlungsrunden gescheitert waren und der internationale Druck auf Frankreich immer mehr zunahm, schlossen die FLNKS, Vertreter der französischen Siedler und die französische Regierung 1988 schließlich einen Friedensvertrag. 1998 wurde dann im Nouméa-Abkommen die Zukunft des Landes endgültige geregelt: Über einen Zeitraum von 15 – 20 Jahren erhält Neukaledonein relativ weitgehende Autonomie. Danach soll es eine endgültige Volksabstimmung über die volle Unabhängigkeit geben. Ein Problem sind dabei allerdings die Mehrheitsverhältnisse der Bevölkerung, die den französischen Siedlern eine knappe Mehrheit geben. Da diese das gleiche Wahlrecht wie die Kanaken besitzen, können sie bis heute die autonome Regierung doninieren. Für eine spätere Unabhängigkeit ist es also von zentraler Wichtigkeit, eine Konsensbildung unter Einschluss der Siedler zu erreichen und sie in eine kanakische Gesellschaft zu integrieren.
Schlagworte: Überseegebiet, FLNKS, Frankreich, Kolonialherrschaft, Neukaledonien, Nickelvorkommen, Republik Kanaky, Siedler

17. Juli 2008 um 12:35 |
Interessant ist auch der Name des Landes. Demnach müsste es auf deutsch eigentlich Neuschottland heißen, da der ursprüngliche Name von Schottland ja Caledonia ist. Da werden in den nächsten Jahren wohl die “zwei” Schottlands (Neuschottland und Schottland) unabhängig werden. Alles gute dazu! Weiß jemand zufällig warum Namensgeber die Schotten sind?
17. Juli 2008 um 1:22 |
Es war der Entdecker James Cook der der Insel den Namen gab, die Schotten an sich haben nichts damit zu tun.
Es war ja Mode, daß man neuentdeckten Länder bzw. Inseln europäische Namen gegeben hat, wie z.B. Neuseeland, Bismarck-Archipel, New South Wales etc.
17. Juli 2008 um 1:29 |
Die Insel wurde von James Cook wärend seiner Dritten Südseereise entdeckt und verlieh ihnen 1774 ihren heutigen Namen.
Cook wurde in Marton bei Middlesbrough geboren – das lag an der historischen Grenze von Schottland. Cook heuerte interessanterweise fast ausschlieslich Schotten bei seinen Fahrten an, schlieslich hatte er ja schottische Vorfahern – daher wahrscheinlich der Namen.
17. Juli 2008 um 1:36 |
Bismarck-Archipel – früher Neubritannien-Archipel.
Erstmals wurden die Inseln von Le Maire und Schouten gesichtet (beide Hölländer), aber erst der Freibeuter William Dampier (Engländer) benannte sie: Neubritannien, Neuirland, die York-Insel und Neu-Hannover.