Der italienische Innenminister Roberto Maroni will die Fingerabdrücke minderjähriger Roma abnehmen. Begonnen wird in Rom, Mailand und Neapel, den Städten, in denen die meisten Roma leben, sagte der Minister nach Angaben italienischer Medien vom Donnerstag.
“Das sind faschistische Methoden“
http://www.stol.it/nachrichten/artikel.asp?ArtID=118718&p=4&KatID=f&SID=42173101224321721790
Die Minderheit der Sinti und Roma
Seit Jahrhunderten schreiben die Roma Geschichte. Ihre eigene Geschichte ebenso wie eine Geschichte gemeinsam mit anderen Völkern. Sie gehen einen Weg, dessen Fortgang sie nur in Etappen selbst bestimmen können; einen Weg, von dem sie weder Ziel noch Ergebnis immer kennen.
Die „offizielle Geschichte“ erübrigt selten mehr als Marginalien für die Roma: Romantische Schwärmereien für ihre virtuose Musik, unverdächtige Bruchstücke über ihren Leidensweg, vielleicht ein wenig Anteilnahme für das so genannte „Zigeunerleben“. Die Ursache ist nicht so sehr ein Mangel an Material, als vielmehr ein Mangel an Interesse, ein ausgeprägtes politisches, gesellschaftliches und kulturelles Desinteresse. So stehen die Roma gemeinhin am Ende der Reihe, eine bereits in der Vergangenheit und in der Gegenwart auch weiterhin bedrängte Minderheit.
Zum Begriff Sinti und Roma
Der Begriff „Roma“ stammt aus dem Romanes. Roma – zu deutsch: Menschen– ist sowohl die Bezeichnung für die Angehörigen der Minderheit in Südosteuropa als auch der Sammelname der gesamten Minderheit. Ein Mann bzw. Ehemann heißt „Rom“, eine Frau „Romni“. Sinti sind die Angehörigen der Minderheit, die seit dem ausgehenden Mittelalter in Mitteleuropa, insbesondere im deutschsprachigen Raum zu Hause sind. „Sinto“ ist die Bezeichnung für ein männliches Mitglied der Gruppe; „Sintezza“ für eine Frau der Gruppe. Heute leben die Sinti überwiegend in der BRD. Neuere Forschungen gehen davon aus, dass der seit dem 18. Jahrhundert gebräuchliche Name Sinti „nichts mit der indischen Provinz Sindh zu tun“ habe. Zusätzliche Sammelbegriffe wie Manuš, Calé oder Kalderaš kennzeichnen die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Untergruppe und implizieren oftmals deren traditionelle Berufstätigkeiten.
Die Nicht-Roma installieren statt der Subjektbegriffe „Roma“ und „Sinti“, die die Minderheit selbst verwendet, die Objektbezeichnung „Zigeuner“. Die Ableitung des Wortes „Zigeuner“ von den „Zieh-Gaunern“ ist eine deutsche Besonderheit aus dem 16. Jahrhundert. Darüber hinaus existieren in Europa weitere Fremdbezeichnungen, z.B. Heiden, Tataren, Sarazenen, Bohemians.
Der Begriff „Zigeuner“, den in jüngster Zeit z.B. die regionale Sinti-Allianz oder der Historiker Jäckel wieder zu etablieren versuchen, drängt über normierte Bilder und Vorstellungen die Minderheit an den Rand der Gesellschaft. Die Minderheit selbst besteht auf die Namen „Sinti“ und „Roma“. „Die Eigenbezeichnung Sinti und Roma ist wesentlicher Teil unserer Identität als Minderheit. In unserer pluralistischen Gesellschaft sollte dieses ureigenste Recht auf Selbstbestimmung respektiert werden. Wir sind keine „Zigeuner“ (Rose).
Zur Geschichte der Sinti und Roma:
http://www.ag-fuer-den-frieden.de/schwerpunkte/sinti.htm
Schlagworte: Faschisten, Fingerabdrücke, Italien, Maroni, Roma, Sinti, Verfolgung

25. Juli 2008 um 2:03 |
Die “Eigenbezeichnung” Sinti und Roma ist die seit über 1300 Jahre alte Eigenbezeichnung.
“Zigeuner” ist die von der Mehrheitsgesellschaft aufgezwungene
“Fremdbezeichnung”. Mit dem Begriff „Zigeuner“ wird der Minderheit das
Recht auf Selbstbenennung abgesprochen. Damit nimmt die Gesellschaft
den Sinti und Roma ihre Identität. Sinti und Roma werden mit der
Fremdbezeichnung “Zigeuner” stigmatisiert und diffamiert.
Das Recht auf Selbstbenennung steht allen Kulturen und Gesellschaften
zu, das ist Normalität und sollte selbstverständlich sein.
mfg