Grönland träumt von der Unabhängigkeit
Grönland, die größte Insel der Welt, will unabhängig werden. Seit 1721 gehört das Land zu Dänemark, macht ungefähr 98 Prozent dessen Fläche aus. Trotzdem haben die Dänen nichts gegen einen von ihnen getrennten Staat. Rohstoffe unter dem Eis wie Zink und Öl sollen die Unabhängigkeit Grönlands sichern.
Dänemark hat lange von Grönland profitiert und beispielsweise Tran, der zur Befeuerung von Lampen genutzt wurde, an andere Länder verkauft. Mittlerweile kostet die ehemalige Kolonie aber erheblich mehr, als sie einbringt – das eisbedeckte Land hat bislang außer dem Tourismus nicht viel zu bieten. Grönland hat heute erhebliche soziale Probleme. Die Selbstmordrate ist sehr hoch, Vetternwirtschaft ist stark verbreitet, und viele Grönländer sind arm.
Doch unter dem Eis verbirgt sich ein enormer Reichtum an Bodenschätzen wie Zink und Öl. Er ist einer der wesentlichen Gründe, warum Grönland unabhängig werden möchte. Durch den stark gestiegenen Preis von Öl und anderen Rohstoffen einerseits und das wegen des wärmeren Klimas schmelzende Eis andererseits lohnt es sich nun in vielen Fällen, bislang aus Kostengründen brachliegende Vorhaben abzubauen. Die Rohstoffe sollen Garant dafür sein, dass das fernab gelegene Land sich die Unabhängigkeit leisten kann. „Wir müssen das grundlegende Eigentumsrecht der Grönländer an den Ressourcen des Landes beschützen und das Recht, das Land selbst zu steuern, sichern“, betont der sozialdemokratische grönländische Regierungschef Enoksen immer wieder.
Keiner weiß, was alles unter Grönlands Eis liegt
Eine Kommission aus dänischen und grönländischen Politikern hat sich auf einen Weg der Insel in die Unabhängigkeit geeinigt, von dem auch Dänemark profitieren soll. „Die grönländische Seite hat erstaunlich gut verhandelt“, urteilt Landeskennerin Marianne Krogh Andersen, die soeben das Buch „Grönland – mächtig und ohnmächtig“ veröffentlicht hat. Alle Einnahmen des Landes aus Rohstoffen soll es behalten dürfen. Im Gegenzug werden die Subventionen, die Kopenhagen überweist und die derzeit die Hälfte des grönländischen Haushaltes ausmachen, gekappt. Die ersten zehn Millionen Euro jährliche Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft soll Grönland behalten dürfen, danach werden die Zahlungen aus der dänischen Hauptstadt reduziert. Für jede Krone, die die Insel einnimmt, überweist Kopenhagen 50 Öre weniger.
Derzeit zahlt das Festland mit seinen 5,5 Millionen Bewohnern an die nur 57000 Einwohner Grönlands jährlich über drei Milliarden Dänische Kronen (über 400 Millionen Euro) – mehr als umgerechnet 7000 Euro pro Einwohner. Sobald Grönland also jährlich mehr als sechs Milliarden Kronen durch Rohstoffe einnimmt, zahlt Dänemark nichts mehr. Dann wollen beide Seiten über ihr Verhältnis neu verhandeln. „Die grönländische Seite wird dann wohl komplett unabhängig werden wollen, und Dänemark wird sich dem kaum verwehren“, so Krogh Andersen. Sie befürchtet aber, dass der neue Staat nicht allen Anforderungen gewachsen sein wird. „Der Ausbildungsstand der Grönländer ist sehr niedrig, Fremdsprachen sind wenig verbreitet, auf der Insel leben nur wenige Menschen – das sind keine guten Voraussetzungen für eine ausreichende Expertise, um die Rohstoffe auszubeuten, einen diplomatischen Dienst aufzubauen und sich komplett in die Weltgemeinschaft zu integrieren“, so Krogh Andersen.
Krogh Andersen geht davon aus, dass es zu einer klaren Zustimmung durch das dänische Parlament und die grönländische Bevölkerung kommt, schließlich haben sich in Dänemark alle Parteien bis auf eine auf den Vorschlag einigen können. Lediglich die rechtspopulistische Dänische Volkspartei (DF) will Grönland nicht gehen lassen. Die Zustimmung wäre „einer der größten politischen Fehler in der dänischen Geschichte“, so Søren Espersen, der die DF-Fraktion in der Kommission vertritt. Espersen klagt, dass Dänemark, das über lange Jahre zur Entwicklung Grönlands beigetragen habe, von der Unabhängigkeit nicht profitieren werde. Deshalb müsse Grönland und damit auch der dortigen Rohstoffreichtum Teil Dänemarks bleiben.
Quelle:
Clemens Bomsdorf
http://de.wikipedia.org/wiki/Grönland

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