Bozner Blutsonntag

By Mazinga Z

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Faschistischer Meuchelmord an Schulleiter Franz Innerhofer am 24. April 1921 in Bozen

Am 24. April 2008 jährt sich zum 87.sten Male der Mord an Schulleiter Franz Innerhofer.  Zum Erstenmal drangen an diesem Tag Hunderte von Faschisten in das Italien einverleibte ehemals tirolerische Gebiet ein, zum Erstenmal war in diesem Gebiet ein Todesopfer durch Faschistenhand zu verzeichnen. In der Woche vom 19. bis zum 26. April 1921 wurde die Bozner Messe, nach Jahren des Versandens, erneut durchgeführt und zwar in mehreren Gebäuden und auf Freigelände, vor allem aber wurden in allen Räumen der heutigen Goetheschule als „Messepalast“ eine Fülle von Waren vielfältigster Art ausgestellt. Dabei hatte man kulturelle Rahmenveranstaltungen eingeplant; als deren größte sollte am Sonntag, dem 24. April, ausgehend vom Raum um den Messepalast, ein Tiroler Trachtenumzug durch die Altstadt ziehen, um dann in Schloß Ried hinter Runkelstein bei einem Wiesenfest den Ausklang zu finden. Über den Trachtenfestzug schreibt „Der Tiroler“ vom 26.04.1921: 

 

DAS ATTENTAT AUF DEN FESTZUG

In den Vormittagsstunden langten allmählich die Festzugs-Abteilungen aus allen Richtungen ein, soweit sie nicht schon von weiterher am Tage zuvor eingelangt waren. Es entwickelte sich nach und nach ein buntes farbenprächtiges Bild in den Straßen der Stadt, und man wollte immer wieder hoffen, daß der Tag ein schönes, friedliches Volksfest bringen werde. Die Freude an demselben war umso größer, als nach den schlimmen Witterungstagen der jüngsten Zeit wieder einmal ein wunderbarer Frühlingstag mit warmem, leuchtenden Sonnenschein gekommen war. 

So war es endlich 1 Uhr nachmittags geworden, also Zeit, daß sich die Trachtengruppen vor dem Ausstellungspalast bzw. in der Runkelsteinerstraße sammelten. Und gleichzeitig stauten sich bald Hunderte und Tausende von Zuschauern als Spalier am Auszugsplatze und in den Straßen, durch die der Trachtenfestzug kommen sollte. Unter den fröhlichen Weisen der vielen Musikkapellen, welche mit den Trachtengruppen von überall her gekommen waren, nahm der Festzug seinen Anfang. Es ging eine Zeit lang alles gut ab. Die tausendköpfige Menschenmenge war voll Freude über das so lange nicht mehr gesehene Bild eines farbenfrohen tirolischen Trachtenfestes. 

 

REVOLVERSCHÜSSE UND BOMBENWÜRFE

Als der Zug durch die Vintlerstraße, Bindergasse, Laubengasse, über Korn- und Waltherplatz in die Poststraße gekommen war, da drangen die Faschisten in den Festzug ein und marschierten in Viererreihen unter ärgsten Provokationen der Gefühle der Bevölkerung, schreiend, gestikulierend, ihre Stöcke schwingend und mit dem vom Gasthaus «zum Schwarzen Adler» heruntergerissenen Adler ostentativ ihren verletzenden Spott treibend, im Festzug mit, um ihn zu stören. Am Obstmarkt fingen sie, als die Rufe der Empörung gegen ihr aufreizendes Gehaben immer erbitterter wurden, auf einmal an, mit ihren Stöcken auf die Leute einzuhauen, und damit nicht genug, schossen sie mit Revolvern auf die Zuschauer und warfen sogar Handgranaten.

1 TODESOPFER UND 48 VERWUNDETE

Nicht weniger als 48 Personen wurden hierdurch verletzt, ja einer der von einem Revolverschuß getroffenen Festzugsteilnehmer mußte sogar sein Leben lassen. Es ist dies der Schulleiter Franz Innerhofer von Marling, der als Mitglied der Marlinger Musikkapelle zum Festzug nach Bozen gekommen war. Er gab den Faschisten nicht den allermindesten Anlaß, die Aufmerksamkeit gerade auf sich zu lenken. Nach Eintritt der Panik am Obstmarkte wollte Herr Innerhofer einen Knaben, welcher mit den Marlingern am Festzuge teilnahm, in Sicherheit bringen und führte ihn eiligst durch die Wangergasse. Da die Faschisten mit Revolvern in den Händen nachliefen, eilte Herr Innerhofer zum Ansitz Stillendorf und versucht, auch den Knaben in das Haus hinein in Sicherheit zu bringen, und dabei schoß ihm einer der Mordbuben nach und traf ihn tödlich.

Franz Innerhofer ist also das Opfer gemeiner Mordgier eines faschistischen Verbrechers geworden“.
Die Empörung und Verzweiflung in der Tiroler Bevölkerung südlich des Brenners war groß. Die drei deutschen Parteien (Deutschfreiheitliche Partei in Südtirol, Tiroler Volkspartei in Südtirol, Sozialdemokratische Partei in Südtirol) erließen folgenden „Aufruf an die Bevölkerung Südtirols“ aus dem wir die Stimmung, die Reaktionen und die Folgerungen für die Zukunft des Tiroler Volkes im südlichen Tirol entnehmen können:

 

AUFRUF AN DIE BEVÖLKERUNG SÜDTTROLS!

Anläßlich der Bozner Messe war für Sonntag, den 24. April ein Trachtenumzug beabsichtigt, welcher den Einheimischen sowohl wie den Gästen aus Nord und Süd die Schönheit unserer alten Volkstrachten vorführen sollte. Die gänzlich unpolitische Veranstaltung wurde vom Generalkommissär Credaro genehmigt und ausdrücklich gutgeheißen. Zwei Tage vor der geplanten Abhaltung traf die Nachricht ein, daß eine größere Anzahl von Faschisten aus Italien am 24. April in Bozen eintreffen solle, um diese Veranstaltung zu stören. Der Generalkommissär wurde davon in Kenntnis gesetzt und erklärte, daß er alle Vorkehrungen für die Sicherheit der Bevölkerung treffen werde. Trotz dieser Zusicherungen ließ die Behörde einen offiziell ihr angekündigten geschlossenen Zuzug von Faschisten aus Italien, darunter eine wegen verbrecherischen Unternehmungen bekannte Schar Veroneser Faschisten, unbehindert durch Trient nach Bozen gelangen. Schon am Vormittage des Festtages durchzogen die Faschisten in geschlossenen Gruppen, mit Knüppeln, Totschlägern, Bomben und Pistolen bewaffnet, die Stadt, verübten unter den Augen des Militärs und der Carabinieri eine Reihe von Gewalttätigkeiten. 

Die Bevölkerung beobachtete dabei trotz vielfacher persönlicher Handgreiflichkeiten und maßloser Herausforderungen der auf dem Waltherplatz dicht versammelten Menge vollkommene Ruhe. Ebenso entfaltete sich um 1 Uhr der Trachtenumzug in voller Ordnung und durchzog mehrere Straßen der Stadt in musterhafter Ruhe bis zum Waltherplatz, von wo an den Faschisten gelang, sich gruppenweise in den geordneten Zug einzudrängen. Trotz des Protestes seitens der Bevölkerung verhielten sich Militär und Carabinieri diesen bedenklichen Störungsversuchen gegenüber vollkommen teilnahmslos. Am Obstmarkt, wo verschiedene Gruppen von Faschisten bereits Stellung genommen hatten, und den Zug erwarteten, wurde auf ein gegebenes Zeichen der Faschisten der Angriff auf den Zug und die vollkommen wehrlose Bevölkerung eröffnet. Es wurden Bomben geworfen, blindlings mit Revolvern in die Menge hineingeschossen und aus einer italienischen Bank (Banco di Napoli) Gefeuert, ein Beweis, daß der Überfall auf dem Obstmarkte planmäßig vorbereitet war. 

Diese Angriffe forderten ein Todesopfer, Oberlehrer Innerhofer aus Marling, und 45 teils leichter, teils schwerer Verletzte.

Angesichts dieses meuchlerischen Vorgehens der Faschisten bemächtigte sich der Bevölkerung eine außerordentliche Panik, die umso größer wurde, je schmählicher die italienischen öffentlichen Sicherheitsorgane offenkundig ihren Dienst verweigerten.

Nicht nur, daß die in großer Menge aufgebotenen Militär- und Sicherheitstruppen bei keiner einzigen Gewalttat hindernd eingriffen und die Bevölkerung ganz schutzlos dem Treiben dieser verbrecherischen Bande überlieferten, ist einwandfrei durch zahllose Zeugen festgestellt, daß sowohl die Offiziere der bewaffneten Macht als auch sogar jene der Carabinieri in schamlosester Weise mit den Mordbuben gemeinsame Sache machten.

Infolgedessen wurde nicht ein einziger Faschist verhaftet, wiewohl sie zu Dutzenden auf frischer Tat ergriffen werden konnten und tatsächlich auch in einer Reihe von Fällen den Carabinieri übergeben wurden. Vielmehr konnten sie unter dem Schutze der Sicherheitsorgane die Stadt wieder verlassen, wobei sie am Bahnhofe noch aus dem Zug mehrere Salven auf die vollkommen unbeteiligte friedliche Bevölkerung abgaben; hierbei floß neuerdings Blut.

Der erste Staatsanwalt Gilli verweigerte jegliches Einschreiten und die Offiziere der Garnison gaben den Verbrechern auf dem Wege zum Bahnhof noch das offizielle Ehrengeleite.

Aus diesen ganzen Vorgängen, welche für die italienische Regierung und die italienische Nation eine unauslöschliche Schmach bedeuten, ergibt sich für das Südtiroler Volk der notwendige Schluß, daß es im Königreich Italien, entgegen den voll tönenden Redensarten in Thronreden und Minister-Erklärungen, rechtlos allen Beleidigungen und Vergewaltigungen ausgeliefert und nur auf sich selbst angewiesen ist. 

Wir stellen ausdrücklich fest, daß die Regierung sich bankrott erklärt hat und daß uns gegenüber der gesetzwidrigen Gewalt kein anderes Mittel mehr übrig bleibt, als die rechtmäßige Gewalt der Notwehr. 

Darum, Volk von Südtirol, nimm deinen Schutz selbst in die Hand! 

 

Dr. Eduard Reut-Nicolussi läßt in seiner Rede am Grab von Franz Innerhofer diesen sagen (und wiederholt diese Grabrede in seinem Buch „Tirol unterm Beil“ von 1928:

„Weinet nicht um mich, lieber Vater, und Du, treues Weib, klage nicht, denn ich bin den Heldentod fürs Vaterland gefallen, als ich seine jungen Söhne vor den Meuchelnden barg. Mein Teil ist himmlischer Lohn und unvergängliche Ehre. Haltet nun aber, ihr Lebenden, im Gottvertrauen und eiserner Zuversicht aus, hütet die Heimat und betreuet das junge Geschlecht.“

Dies gilt nach wie vor für uns Heutige, besonders für uns Tiroler Schützen.

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3 Antworten zu „Bozner Blutsonntag“

  1. Mazinga Z sagt:

    http://www.gemeinde.bozen.it/stampa_context.jsp?area=19&ID_LINK=426&page=1373
    http://www.andreas-hofer-bund.de/franz_innerhofer_erschossen.htm
    http://www.schuetzen.com/html/news/treplies.asp?message=%20429
    http://www.schuetzen.com/html/news/treplies.asp?message=27
    http://www.schuetzen.com/html/news/treplies.asp?message=%2036

  2. Mazinga Z sagt:

    http://www.questotrentino.it/2008/09/ricordo_Innerhofer.htm

  3. fabivS sagt:

    Cavoli, poverino Innerhofer: era un mio collega! L’ultima volta ero via, ma appena fanno un Gedenkfeier ci vado di sicuro!!!

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